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Melda Akbas "So wie ich will !"

Rezension von Claire F. Klasse 9e1

Über Melda
Melda Akbas hielt am 8. April bei uns an der Schiller-Oberschule eine Lesung über ihr Buch „So wie ich will – zwischen Moschee und Minirock “. Sie beginnt, ihre Autobiografie zu schreiben, da ist sie gerade mal 17. Anfangs hat sie Hemmungen, ihr Inneres preiszugeben. Jedoch wischt sie ihre Bedenken beiseite und lässt ihren Gedanken freien Lauf. Zwei Jahre später ist ihr Werk vollbracht und alle, die das Buch kaufen, können miterleben wie Melda den Spagat zwischen der türkischen Kultur ihrer Familie und der deutschen ihrer Schule und Freunde schafft.

Das Buch
Melda Akbaș reflektiert verschiedene Situationen der letzten zwei Jahre, berichtet liebevoll von ihrer weit verzweigten Familie und schreibt mit einem Augenzwinkern vom ganz normalen Alltagswahnsinn. Sie will den teils konservativen Erwartungen und Wünschen ihrer Eltern gerecht werden, will sich frei bewegen dürfen und Kleidung tragen, die ihr gefällt. Sie kann sich zwar nicht immer durchsetzen, doch jedes Zugeständnis ist ein kleiner Sieg für Melda. In ihrem sehr offenen Bericht wird deutlich, dass sie unter dem beiderseitigen Druck leidet, zeitweise sogar erkrankt. Doch die Achtzehnjährige steckt voller Tatendrang, will sich neben Partys und Treffen mit Freunden auch für ihre Schule engagieren.
Bei einem Praktikum dann erhält sie unverhofft die Möglichkeit, ein mittlerweile ausgezeichnetes Projekt namens „l.o.s.- let´s organize somethin´!“ auf die Beine zu stellen, um sich mit anderen Jugendlichen mit Migrationshintergrund auszutauschen und ihnen Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, von denen sie vielleicht nichts ahnen.

Die Lesung
Melda las uns 3 mal 15 Minuten lang aus ihrem Buch vor, damit auch die, die das Buch nicht gelesen hatten, es verstehen. Zwischendurch gab es immer eine Fragerunde und man durfte sie alles fragen, was man wollte. Die Schüler und Lehrer die zugeschaut hatten, fanden die Lesung sehr spannend. Wenn jemand mal dazwischen geredet hat, ermahnte Melda ihn auch unmittelbar. Sie hat schon etwas Schuldirektorenhaftes in ihrer Art. Sie antwortete auch sofort und sicher. Die einzige Frage, bei der sie erst mal kurz nachdenken musste, war die meines Deutschlehrers Herr Hauswaldt. Er fragte sie, ob man ihre Kultur als eine Kultur der Halbwahrheiten und Lügen bezeichnen könnte. Letztlich beantwortete sie auch diese knifflige Frage nach kurzem Überlegen gut und geschickt. Sie ist klein, aber an Selbstbewusstsein mangelt es ihr nicht. Sie wirkt frisch, sympathisch und authentisch. Sehr viele meinten, dass sie in der Realität viel hübscher aussieht, als auf dem Cover ihres Buches.

Am spannendsten waren die Anekdoten, die sie hinzugefügt hatte. Zum einen, die Geschichte über ihren türkischen Cousin, der ziemlich deutsch aussieht, also blaue Augen, blonde Haare hat. Er war mit zwei deutschen Freunden von ihm Fußball spielen, als auf einmal 8 türkische Jungs kamen. Ihr Cousin und seine Freunde sind weggegangen, da sie keine Probleme wollten. Die anderen begannen jedoch sie zu verfolgen und als sie nicht mehr konnten, sind sie stehen geblieben. Einer der Türken meinte, dass sie doch in einen Hinterhof gehen sollten, um zu "reden". Die drei blonden Jungs dachten sich nichts dabei, reden? Reden ist doch völlig in Ordnung. Als sie dann fast drinnen waren, fragte Meldas Cousin die anderen auf Türkisch, was sie denn eigentlich von ihnen wollten, denn die Situation kam ihnen dann doch komisch vor. Die türkischen Jungs waren erstaunt, "Du bist Türke? Sag das doch gleich Bruder!". Im Innenhof verprügelten sie dann die beiden Deutschen, verschonten jedoch Meldas Verwandten ... Zum anderen erzählt sie auch, was ihre Familie zurzeit tut. Ihre Mutter beispielsweise möchte jetzt eine Kita eröffnen.

Mein Fazit:
Melda sieht nicht schwarz oder weiß. In ihrer Welt gibt es auch viele Grautöne. Sie wirbt für Toleranz. Die verschiedenen Kulturen sollten akzeptiert werden, denn natürlich kann man nicht sagen, dass eine Kultur richtig oder falsch ist. Sowohl die türkische als auch die deutsche, hat ihre Pro- und Kontraseiten. Dies erklärt Melda in ihrem Buch.
Das Buch ist für Personen geeignet, die sich in so eine Lage hineinversetzen wollen, wie es ist, ein Migrantenkind zu sein. Auch Migrantenkinder selber, die wissen möchten, wie andere mit denselben Wurzeln ihr Leben meistern, können von Melda viel lernen. Jedenfalls ist es kein wirklich actionreiches oder skandalöses Buch. Für eine Schullektüre ist es schon spannend, ich persönlich habe zum Glück noch keine Erfahrungen von Diskriminierung wegen meiner Herkunft gemacht. Das liegt wahrscheinlich daran, dass viele in meinem Umfeld multikulturell sind. Meine Nachbarn, im Kindergarten und auch in der Grundschule oder jetzt auf dem Gymnasium gibt es eine Vielzahl von multikulturellen Kindern. Deshalb sind sie auch, denke ich, tolerant. Sie können es selbst nachvollziehen, wie es ist, aus zwei Ländern zu sein, weil sie schon von klein auf mit Menschen aus anderen Nationalitäten konfrontiert wurden.

Eine weitere Rezension von: Emdad F. H.

Ein Besuch vom US-Präsidenten oder von Johnny Depp an der Schule wäre schön, aber viel schöner ist das Gefühl, wenn eine alte Schülerin der eigenen Schule, die in Talkshows und in anderen Medien vor kam, die durch ein selbst geschriebenes Buch bekannt wurde, unsere Schule besucht.

Am 8. April, an einem Montag, wurde Melda Akbaçvon uns eingeladen um eine Vorlesung aus ihrem eigenen Buch vorzulesen, „So wie ich will - Mein Leben zwischen Moschee und Minirock“. Als ich die Aula betrat, in der sie die Vorlesung machen sollte, hab ich mich als erstes um geguckt, wo sie war. Später stellte sich heraus, dass die kleine junge Frau auf der Bühne, die ich für eine 11. Klässlerin hielt, Melda war! Die Vorlesung dauerte zwei Stunden, in der immer nach zehn Minuten Vorlesen, eine Fragerunde dran war und später hat sie uns aufgefordert den Rhythmus aus dem bekannten Song „We will rock you“ zu klatschen, aber niemand sang.

Für mich war die Vorlesung aufregend und spannend, vorallem dass sie manchmal ihre eigenen Sätze aus dem Buch kommentierte und dank der Fragerunden konnte ich herausfinden, das sie auf die selbe Grundschule wie ich ging. Sie ist sehr höflich, kann aber auch streng und diszipliniert sein. Sie wusste, was sie tat.

~ Emdad F. H.