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Ein Deutsch-LK im Zeitzeugengespräch mit Schriftstellerin Elfriede Brüning

Elfriede Brüning hat ein Jahrhundert politisches Geschehen miterlebt: vom Kaiserreich und der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus und der DDR bis zur heutigen Form der Demokratie in Deutschland. Lächelnd sitzt sie nun hinter Tischen, um vor den nachkommenden Generationen alte Zeiten lebendig werden zu lassen: Mit 15 Jahren hat sie erste Geschichten verfasst und wurde nach dem Abschluss der Mittleren Reife auch in größeren Zeitungen abgedruckt. Es war eine unsichere Zeit, und die junge Schriftstellerin wollte nichts mit dem um sich greifenden Nationalsozialismus zu tun haben. 1930 trat sie in die Kommunistische Partei ein und engagierte sich im „Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller". Dabei fuhr man mit einem Zelt hinaus aufs Land, traf dort drei, vier andere Mitglieder des Bundes und las sich gegenseitig seine schriftstellerischen Entwürfe vor.  Die besten Artikel wurden nach Prag geschickt und in einer Zeitschrift des deutschen Exils veröffentlicht. In dieses Netz schlich sich ein Spitzel ein, und wenn man nicht fliehen konnte, wurde man in die nun legalen Folterkammern der SA verschleppt. Glücklicherweise wurde Elfriede Brüning nur zu einem Jahr U-Haft wegen Landesverrates verurteilt- während dieser Zeit arbeitete sie an einem Roman der Unterhaltungsliteratur. Nach der Heirat mit einem Lektor zog sie auf Grund des Krieges mit ihrem Kind auf dessen Landhaus. Dort fühlte sie sich zutiefst unwohl, da ihre proletarischen Wurzeln nicht mit den Gepflogenheiten der vornehmen Reichen vertraut waren. Ihr Vater, ein Tischlermeister, und ihre Mutter, die sie mit der Öffnung einer Bücherei– diese Idee war von Anfang an zum Scheitern verurteilt- über Wasser halten wollte, schienen in dieses Milieu nicht herein zu passen, und sie selbst versuchte da schon eher mit den polnischen Fremdarbeitern in Kontakt zu kommen. 

Der Krieg und ihr Kind werden dabei von ihr nur kurz erwähnt und auch auf Nachfrage wieder fallengelassen. Elfriede Brüning, die uns im Geist doch noch eher rege erscheint, beharrt auf den kommunistischen Grundlagen, die sie Zeit ihres Lebens begleitet haben. In der DDR habe sie keine Schwierigkeiten gehabt zu veröffentlichen und erhielt trotz kontroverser Besprechungen ihrer Bücher zahlreiche Preise. Ihre Themen behandeln dabei zumeist Frauenschicksale sowie die Vergangenheitsbewältigung. 
Bei der Schilderung ihrer Erlebnisse ist man vor allem beeindruckt von der Unmenge von Namen und Daten, die sie im Gedächtnis behalten hat. Amüsante Details, wie dass ihr Walter Ulbricht doch sehr unsympathisch erschien oder dass ihr Bruder auf Grund seines guten Aussehens von Leni Riefenstahl engagiert wurde, lassen dabei erahnen, was dies für eine Zeit gewesen ist. Obwohl Elfriede Brüning doch eher sachlich ihre Erlebnisse schildert, lassen sich persönliche Eindrücke ihrerseits finden und somit besonders die Zeit der 1930er wieder auferstehen. Besonders am Herzen lag es ihr, wohl uns zu zeigen, dass es neben den bekannten Widerstandsgruppen auch kommunistischen und sozialistischen Widerstand von Anfang gab. Auch wenn sie uns heute doch in ihrer Ideologie verfangen erscheint, lohnt es sich doch den Ausführungen eines Menschen zu lauschen, der in uns die Erinnerung an das vergangene Jahrhundert wachruft.

Rebecca, Tom, Gunnar, Lucia

Januar 2011