Neuigkeit: Weihnachtskonzert am Mi, den 13. Dezember 2017 um 19:30 Uhr in der Aula
←  Zurück zur Startseite

Handreichung zur Sprachenwahl ab Klasse 8 (3. Fremdsprache)

Latein ist, was die Schülerzahlen bundesweit bestätigen, wieder im Kommen. Jedoch möchten wir den Eltern die Entscheidung, ihr Kind für den Lateinunterricht ab Klasse 8 anzumelden, mit einigen Überlegungen erleichtern. 

In der Tradition des humanistischen Gymnasiums lag der Schwerpunkt des gesamten Unterrichts lange Zeit auf dem Erlernen der alten Sprachen Griechisch, Latein und auch Hebräisch. Der Begriff der Bildung war von Anfang an mit der Kenntnis der klassischen Antike Griechenlands und Roms verbunden, da sie mit den Werten der Humanität (lat.: humanitas) und der Demokratie vertraut machte. Historisch gesehen sind große Schritte des gesellschaftlichen Fortschrittes mit dieser Orientierung an der Antike einher gegangen. Die Begriffe renovatio (Karl der Große), reformatio (Luther) und humanitas (Erasmus) sind Indizien für diese fruchtbare Wendung zur Antike.

Der Ruf der Humanisten ad fontes! (Zu den Quellen!) bewährt sich jedoch auch heute noch als Aufruf zu einer gründlicheren Bildung, wo die Schnelllebigkeit der Zeit oft nur Oberflächliches, eine Art „fast-food–Bildung“ erzeugt. Gerade wegen dieser Schnelllebigkeit werden fundierte Wissens- und Kompetenzgrundlagen umso wichtiger, da auf diese Fundamente flexibel neue „Wissensstockwerke“ aufzubauen sind.

 Die Schule bewährt sich im Lateinunterricht auch als Ort der Auseinandersetzung mit europäischen Traditionen. Der Lateinunterricht befasst sich demzufolge nicht nur mit dem Erlernen einer Fremdsprache, sondern führt in die Kenntnis einer Epoche als einer Lebenswelt ein, in der Kinder und Jugendliche ihre eigene Lebenswelt -durch den Abstand verfremdet- wiedererkennen können. Das führt so auch zu einer Auseinandersetzung mit unserer Zeit, unserer Gesellschaft und deren Werte-Grundlagen. Mit Romulus und Remus, Hektor und Achill, Oedipus und Antigone werden so auch Grundprobleme des menschlichen Lebens anhand klassischer Texte diskutiert.

 Neben die Rezeption der Antike rücken noch weitere Aspekte, die das Erlernen der lateinischen Sprache empfehlenswert machen. Die Tendenz zur Sprachbetrachtung (Latein ist hier Gegenstand des Unterrichts und nicht Unterrichtssprache), die beim Erlernen von Fremdsprachen generell wichtig ist, wird hier besonders berücksichtigt und kommt den Schülern des Gymnasiums besonders entgegen, da sie in einem hohen Maße in Richtung Gründlichkeit, Reflexion und Regelbeobachtung gefordert und gefördert werden.

Der stärkere „Tiefgang“ in dieser Hinsicht führt erfahrungsgemäß zu vielen „Synergieeffekten“ in anderen Wissensbereichen (Deutsch, Englisch, Geschichte, aber auch Mathematik). Die Erfahrung hat auch gezeigt, dass das Nebeneinander von Latein und Englisch kein Problem darstellt. Das Erlernen einer anfänglich leichteren und an Kommunikation orientierter Sprache wie Englisch ergänzt sich gut mit dem bausteinartigen Konstruieren und dem formalen Verständnis, welches im Lateinunterricht im Vordergrund steht.

 Nicht zuletzt spricht aber auch der berufliche „Nutzeffekt“ eine deutliche Sprache für Latein!

Latein als Sprache der Wissenschaft ebnet den Weg in viele Studiengebiete, erleichtert zum Beispiel für medizinische, juristische und geisteswissenschftliche Berufe das Erlernen der Fachtermini und ist auch Zugangsvoraussetzung für manches Studienfach.

 So bietet der Lateinunterricht eine vielfältige Unterstützung und eine Basis für zentrale Tätigkeiten und Fertigkeiten, die auch heute noch unerlässlich sind.

 David Jacob (Fachbereich Latein, Schiller-Gymnasium)