Neuigkeit: Theater Q2 Ltz, Ktz am 3.+4. Juli 19 Uhr Aula
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Der Deutsche Jugendliteraturpreis prämiert seit sechzig Jahren jedes Jahr herausragende Kinder- und Jugendbücher. Damit gibt der Preis Kindern, Jugendlichen und Eltern Orientierung im Bücherdschungel. Er zeigt, welche gute Literatur die Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen stärkt. Herzlichen Glückwunsch zum 60. Geburtstag!

Preisträger 2016

Preisträgerin in der Sparte Jugendbuch :

Kirsten Fuchs mit ihrem Buch Mädchenmeute
aus dem Rowohlt Rotfuchs Verlag   -   ab 14 Jahre

Jurybegründung:
Ein Abenteuerbuch mit weiblichen Protagonistinnen, das hat in der Jugendliteratur Seltenheitswert. Hier erleben wir sieben Mädchen, die sich bei einem Sommercamp im Wald begegnen. Doch das Camp erweist sich als dubiose Angelegenheit und die Gruppe beschließt, auf eigene Faust Abenteuerurlaub zu machen. Mit ihrer Ich-Erzählerin, der 15-jährigen Charlotte Nowak, führt Kirsten Fuchs in die Wälder des Erzgebirges, eine Kulturlandschaft mit eigenen Geschichten. Sagengestalten werden lebendig, die Mädchen erleben Grusel und reale Ängste, Gemeinschaft und Auseinandersetzungen.

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Preis der Jugendjury:

Peer Martin mit seinem Buch Sommer unter schwarzen Flügeln
aus dem Oetinger Verlag   -   ab 14 Jahre

Jurybegründung:
Brandaktuell: Die Zahl der Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland hat sich in den letzten fünf Jahren geschätzt verfünfzigfacht. Im syrischen Bürgerkrieg starben in den letzten zwei Jahren über 470.000 Menschen (Die Zeit, 11. 2. 2016).
In Sommer unter schwarzen Flügeln bringt die Syrerin Nuri dem Neonazi Calvin ihre Erfahrungen während der Anfänge des Arabischen Frühlings, die verschiedenen politischen Gruppierungen, das Leid der syrischen Bevölkerung und die Geschichte ihrer Flucht nach Deutschland näher, während Calvin mit seiner Gang einen Anschlag auf das Flüchtlingsheim plant. Nuri erzählt märchenhaft und poetisch, Calvin drastisch und ungeschliffen. Verbindend sind Erfahrungen mit Gruppenzugehörigkeit, Ausgrenzung und Gewalt, die sowohl Nuri als auch Calvin zu vielschichtigen Charakteren reifen lassen. Mit den Protagonisten gewinnt der Leser Verständnis für beide Perspektiven. So wird er mehr und mehr von der Geschichte in den Bann gezogen und mit ihrer Tragik berührt.

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Weitere Nominierungen 2016 - Jugendbuch:

An der Auswahl der nominierten Bücher beteiligen sich auch junge Leserinnen und Leser.

"Halbe Helden" von Erin Jade Lange   -   ab 12 Jahre

Jurybegründung:
Billy D ist gewitzt, hartnäckig und sehr dickköpfig. Und er lebt mit dem Down-Syndrom. Mitleidheischend oder problemlastig wird in diesem Roman die Lebenssituation von Billy D jedoch nicht dargestellt. Trotzdem braucht er einen Beschützer, und der soll nach dem Willen des Schuldirektors ausgerechnet Dane sein: der Mädchenheld und Schlägertyp, der seine Aggressionen nicht im Griff hat. Wenn er sich um Billy D kümmert, kann er den drohenden Schulverweis abwenden.
So verschieden die beiden Jugendlichen sind, gemeinsam ist ihnen, dass sie ohne Vater aufwachsen und auf der Suche nach diesem sind. Aus der Ich-Perspektive von Dane wird dargestellt, wie sich zwischen diesen ungleichen Teenagern allmählich eine Freundschaft entwickelt, durch die beide voneinander lernen.


"Das Fieber" von Makiia Lucier   -   ab 12 Jahre

Jurybegründung:
Dieser historische Roman widmet sich einem bisher wenig in der Jugendliteratur aufgegriffenen Thema: der Spanischen Grippe, der weitaus mehr Menschen zum Opfer fielen als dem Ersten Weltkrieg. Aus der Ich-Perspektive der 17-jährigen Cleo Berry beschreibt die Autorin, wie die Grippe-Epidemie in Oregon im September 1918 über die Stadt hereinbricht. Alles öffentliche Leben kommt zum Erliegen. Doch Cleo verschanzt sich nicht zu Hause, das selbstlose Mädchen entschließt sich zu helfen: „Wer, wenn nicht ich?“, ist die Leitfrage des Romans.

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"Ein Sommer am See" von Mariko Tamaki (Text) und Jillian Tamaki (Illustration)   -   ab 12 Jahre

Jurybegründung:
Für die eine ist es der letzte Sommer der Kindheit, für die andere bereits der erste Sommer der Pubertät: Die ungestüme Windy und die nachdenkliche Rose erleben diese Ferien wie jedes Jahr gemeinsam mit ihren Eltern in Awago Beach. Die Graphic Novel erzählt mit hoher Eindringlichkeit und mit einem beeindruckenden Figurentableau von Wochen voller Geheimnisse.
Mit Einfühlungsvermögen und großer Kunstfertigkeit geben die Autorin und die Illustratorin den beiden Hauptfiguren Lebendigkeit und Ausstrahlung.

 

"Eleanor & Park" von Rainbow Rowell   -    ab 14 Jahre

Jurybegründung:
Eleanor und Park sind Außenseiter. Sie ist pummelig, trägt Jungsklamotten, hat eine feuerrote Lockenmähne und wirkt verunsichert. Er ist Halbkoreaner und zu zurückhaltend, um in einer der Schulcliquen bestehen zu können. Aus wechselnder Perspektive der beiden Jugendlichen erzählt Rainbow Rowell in ihrem Debüt sehr intensiv von der Liebesgeschichte, die sich zwischen Eleanor und Park entwickelt. Zunächst akzeptiert Park widerwillig, dass Eleanor neben ihm im Schulbus sitzt. Über Comics und Musik kommen sie sich näher, beginnen ihre Eigenarten zu respektieren und verlieben sich schließlich. Nach und nach erfährt man von der bedrückenden Familiensituation Eleanors, die mit ihrer Mutter und den Geschwistern beim Stiefvater, einem gewalttätigen Alkoholiker, lebt.

 
"Das hier ist kein Tagebuch" von Erna Sassen   -    ab 14 Jahre

Jurybegründung:
Ein Tagebuch – kein Tagebuch? Der Protagonist des Romans wehrt sich gegen die Aufgabe, die der Vater ihm stellt: Bewältige deine Ängste, schreib jeden Tag etwas auf und höre jeden Tag Musik. Bou ist 16 und lebt seit dem Tod seiner Mutter für sich. Er ist depressiv, verbringt viel Zeit mit seiner kleinen Schwester und hat Angst vor allem. Nach anfänglichem Widerstand seziert er in seinen Aufzeichnungen Gefühle wie Wut, Empörung, Trauer mit großer Ehrlichkeit und in einer reduzierten Sprache, die Rolf Erdorf feinfühlig ins Deutsche übertragen hat.
Die Verarbeitung der Vergangenheit und die Bewältigung der Gegenwart sind in diesem Roman eng verknüpft und die erzählte Zeit und Erzählzeit greifen dabei oft ineinander.