Neuigkeit: Theater Q2 Ltz, Ktz am 3.+4. Juli 19 Uhr Aula
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Sehr geehrte Damen und Herren, wir sind Henrike, Kathi, Tabea und Noa von der AG Erinnern an die ehemaligen Schüler des Schiller-Realgymnasiums

                                                                         

(…) ermordete Homosexuelle.

(…) Sinti und Roma.

6 000 000 Juden.

 

Die Frage nach der Anzahl der Ermordeten lässt sich einfach beantworten, aber wer waren diese Menschen?

Was haben sie gedacht?

Wie haben sie gefühlt?

Wovon haben sie geträumt?

Diesen Fragen sind wir nachgegangen und gehen ihnen immer noch nach, um zumindest einigen der Opfern ihr Gesicht und ihre Geschichte wiedergeben zu können.

Dabei wandelte sich im Laufe der letzten drei Jahre unser Verständnis von Geschichte: Was früher ein bloßes Schulfach war, ist nun unser persönliches Anliegen.

Die intensive Auseinandersetzung mit Schicksalen und Gespräche mit Zeitzeugen machte die Vergangenheit für uns greifbarer.

Besonders nahe ging uns dabei, welche Schrecken unsere ehemaligen Mitschüler erleiden mussten, was die Recherche realer, aber auch trauriger machte.

Indem wir Orte des Schreckens erlebten, verloren wir ein wenig von der schulisch-historischen Distanz.

Uns war es nun möglich, verschiedene Blickwinkel einzunehmen. Wir  haben gelernt, Menschen nicht mehr nur strikt in Opfer und Täter einzuteilen, sondern genauer zu differenzieren.

Dinge, die uns stets wie Kleinigkeiten vorgekommen sind, erscheinen nun viel größer:

Wenn man nicht einmal mehr das Fenster öffnen kann, um Licht und Luft hereinzulassen, weil man  sonst sein Leben aufs Spiel setzt (wie es z.B. Anne Frank erdulden musste), dann merkt man, dass nicht nur der Tod, sondern auch das Leben grausam sein kann.

Was uns außerdem klar geworden ist: Mehr Wissen bedeutet immer mehr Fragen.

In diesem Licht erkennen wir, dass mit der Geschichte nicht abzuschließen ist, sondern dass auch heute, 70 Jahre nach Kriegsende, Gedenken fest in der Gesellschaft verankert sein muss, damit solche Grausamkeiten nie wieder geschehen.

Innehalten, ehrlich erinnern, jeder auf seine Art und Weise; ist das, was wir in den letzten Jahren gelernt haben.

Das Geschehene kann weder ungeschehen noch wieder gut gemacht werden, das ist uns allen schmerzlich bewusst.

Aber das Vergessen kann verhindert werden und dafür trägt jeder von uns einen kleinen Teil der Verantwortung.

Die Konfrontationen mit dem Schrecken und die Treffen mit den Überlebenden sensibilisierten uns und wir erlebten einen neuen emotionalen Zugang.

Dadurch hat sich auch unser Selbstverständnis geändert: Wir haben begonnen, Standpunkte und Ansichten zu hinterfragen, die vorher selbstverständlich erschienen.

Früher hätten wir voller Überzeugung gesagt: „Ja, wir hätten uns gewehrt, wir hätten Widerstand geleistet!“

Heute sind Fragen wie diese schwieriger, nicht eindeutig zu beantworten, denn wir können nie wissen, was gewesen wäre, wenn.

Gerade daran zeigt sich die enorme Bedeutung der Geschichte für die Gegenwart, und wir sollten uns nicht nur fragen: Wie hätte ich reagiert?

Sondern auch: Wie kann ich heute reagieren?

Wie reagiere ich?