Neuigkeit: Theater Q2 Ltz, Ktz am 3.+4. Juli 19 Uhr Aula
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Lieber Herr Winter, sehr geehrter Herr Bezirksbürgermeister Naumann, lieber Herr Hofmann, liebe Schülerinnen und Schüler, meine Damen und Herren,

als Frau Puchstein und ich vor drei Jahren ins Gespräch kamen und ich von ihren langjährigen Bemühungen hörte, an der Schule einen Gedenkort für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten ehemaligen Schüler zu etablieren, hatten wir bereits mehrere israelbezogene Projekte mit der Oberstufe durchgeführt. Da ich bei diesen Projekten die Schülerschaft und das Kollegium hatte kennen und schätzen lernen dürfen, fand ich die Idee eines längerfristigen Projekts sehr attraktiv. Meine großen Erwartungen sind mehr als erfüllt worden. Die Jugendlichen der Arbeitsgemeinschaft im Umgang mit der Geschichte und uns als Begleiterinnen im wahrsten Sinne des Wortes erwachsen werden zu sehen, hat mich begeistert und war berührend zugleich.

Schnell hatte sich abgezeichnet, dass eine Arbeitsgemeinschaft, die sich einmal wöchentlich trifft, unrealistisch sein würde. Zu sehr waren und sind die Jugendlichen durch den Schulalltag belastet. Also trafen wir uns unregelmäßig und verlegten die intensiven Arbeitsphasen auf Reisen. Studienreisen, die zunächst den Weg ehemaliger Schüler des Schiller-Realgymnasiums nachzeichneten. So waren wir im ersten Jahr in Polen unterwegs besuchten das ehemalige Ghetto Lodz, wohin mehrere Transporte von Berlin aus gegangen waren, und das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, wo einzelne Schüler ermordet worden waren. Aber die Jugendlichen sollten über das Schicksal der ehemaligen Schüler hinaus über den Nationalsozialismus und die damals praktizierte Verfolgungspolitik lernen. Deswegen besuchten wir auch ehemalige Vernichtungslager wie Majdanek und Treblinka. Dieses sich auf den Weg machen, um zu lernen, war so bereichernd, dass ich es nicht als Belastung ansah, mich für weitere Fahrten um Drittmittel zu bemühen. So führte uns unser Interesse im zweiten Jahr nach Griechenland – die Verfolgungsgeschichte der europäischen Juden wurde durch weitere Facetten der deutschen Besatzungspolitik unterschiedlicher Staaten ergänzt. Über die mehr als unverhältnismäßigen (und selbst dieser Begriff ist noch beschönigend) sogenannten Sühnemaßnahmen gegen griechische Zivilisten zu erfahren ist für alle schwer zu ertragen. Souverän diskutieren die Jugendlichen in der Deutschen Botschaft in Athen mit deutschen Diplomaten einen sinnvollen Umgang mit dieser Vergangenheit und der Frage von Entschädigung. Zuletzt waren wir gemeinsam in Amsterdam und erweiterten unser Wissen durch Kenntnisse der Situation der Niederlande während des Nationalsozialismus. Die Reisen sind ergänzt worden mit Vor- und Nachbereitungstreffen im Haus der Wannsee-Konferenz, Archivbesuchen im Landesarchiv, Treffen in der Schule und im privaten Rahmen.

Ich sage es erneut – dieses Projekt war und ist ein Privileg für mich gewesen. Es ist eine Freude heute diesen Abend mit euch und ihnen begehen zu können, auch wenn sein Ursprung ein sehr ernster ist. Es wird viel darüber gesprochen, was junge Menschen alles aus der Geschichte lernen sollen. Dabei vergessen die Erwachsenen, die diese Forderungen erheben oft, dass wir selber ein sehr schlechtes Vorbild sind.  Vor diesem Hintergrund soll der Gedenkort, den wir heute einweihen, in erster Linie erinnern. Erinnern an Menschen, deren Identität ausgelöscht werden sollte. Wenn er Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte darüber hinaus zum Nachdenken anregt erfüllt er – auch ohne eine Anweisung zu einer konkreten Lehre – unser Anliegen. Vielen Dank.