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Deutsch-israelische Lehrkräftebegegnung

in Beth Theresienstadt/Israel 15.10.-24.10.2016

(Stand 01.11.2016)

Im Rahmen der Kooperation zwischen dem Schiller-Gymnasium Berlin und der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz fand in diesem Jahr vom 15.10.-24.10.2016  eine deutsch-israelische Lehrerbegegnung in Israel statt. Thematisch ging es bei der Lehrerbegegnung um die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der Shoah in Israel und Deutschland, dem Zugang von Minderheiten zu dieser Geschichte sowie der Funktion identitätsbildender Narrative in Geschichte und Gegenwart. Für April 2017 ist der Gegenbesuch der israelischen Lehrkräfte in Berlin geplant.

Die Leiterin der Bildungsabteilung des Hauses der Wannsee-Konferenz Dr. Elke Gryglewski und der wissenschaftliche Volontär David Zoldan hatten für die insgesamt zwölf Kolleginnen und Kollegen des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften und interessierte Lehrkräfte aus anderen Fächern sowie dem englischsprachigen SESB-Zug ein umfassendes und vielschichtiges Programm für die Studienreise vorbereitet.

Am Beispiel der Geschichte und Gegenwart der Stadt Jerusalem vermittelte Sarah Eismann die Komplexität jüdischer Identität im Spannungsfeld von liberaler Identitätskonzeption und ultra-orthodoxer Lebensführung.

Bereits auf der Busfahrt zur ehemaligen Festung Masada am Toten Meer vermittelten Guy Band und Tamer Said im Dialog, wie komplex es für junge Menschen ist, sich in der israelischen Gesellschaft einen von ethnischer Herkunft unabhängigen Status zu erarbeiten.

Der Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem, die den Massenmord an den Juden in Europa aus der Perspektive der Opfer als Personen mit individuellen Biographien wahrnehmbar machen soll, war ein wichtiger Programmpunkt. Ziel der Studienreise war es insbesondere die narrativen Ansätze bei der Auseinandersetzung mit der Shoah und ihren Stellenwert bei der Identitätsbildung in der israelischen Gesellschaft zu erkunden.

Die Begegnung mit israelischen Lehrkräften, die die Fächer Geschichte, Politik, Kunst, Religionslehrer und Bildende Kunst unterrichten, war ein Höhepunkt der Studienreise. Im Rahmen der Workshops tauschten sich die Lehrkräfte über die Unterrichtssituation in Schulklassen mit kultureller Vielfalt und über den eigenen Umgang mit der Vergangenheit aus. Die israelischen Lehrkräfte haben das Werben um Offenheit gegenüber verschiedenen kulturellen, religiösen und gesellschaftspolitischen Auffassungen in ihrer Schülerschaft als große pädagogische Herausforderung dargestellt.

Die Lehrerbegegnung fand in der Erinnerungs- und Bildungsstätte Beith Theresienstadt statt, die an das Martyrium der Juden im gleichnamigen Ghetto und Konzentrationslager bei Prag erinnert. Beith Theresienstadt ist Teil eines Kibbutz, der von Überlebenden des Ghetto Theresienstadt gegründet worden ist. Die deutschen Lehrkräfte hatten hier die Gelegenheit mit dem Zeitzeugen Zvi Cohen zu sprechen, der als Kind von Berlin nach Theresienstadt verschleppt worden war, und aus eigener Erfahrung über die Gewalt des NS-Konzentrationslagersystems berichten konnte.

Exkursionen zu den äthiopischen Juden in Ramle, zu den Drusen in Darya el Karmel und zu den Beduinen in und bei Rahat gaben vielfältige, natürlich nur erste Einblicke in die Lebenswirklichkeit verschiedener Ethnien in Israel. Die Besuche regten umgekehrt zu Fragen über den Umgang mit kultureller Vielfalt in Deutschland an.

Die Begegnung mit Head Space in Tel Aviv, einer gemeinnützigen schulpsychologischen Agentur, die die staatlichen und halbstaatlichen Akteure der Schulpsychologie, der Sozialmedizin und der jugendlichen Sozialarbeit zusammenbringt, öffnete noch einmal den Blick für die Anstrengungen, die moderne Gesellschaft unternehmen müssen, um die vielfältigen psychischen Herausforderungen, denen Kinder und Jugendliche in Schule und Alltag ausgesetzt sind, abzufangen.

Die Studienreise der Lehrkräfte des Schiller-Gymnasiums Berlin, die in den Herbstferien stattfand, hat in umfassender und vielschichtiger Weise Kolleginnen und Kollegen im Schuldienst in Deutschland und Israel zusammengebracht.

Das Schiller-Gymnasium Berlin (Staatliche Europaschule Berlin) dankt seinem Kooperationspartner der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz.

gez. Schulze-Tammena